Knappe Entscheidung im Zeitfahren der Männer – Titelverteidigung in U23-Klassen
Nils Politt holte sich seinen Titel zurück. Der Kölner vom Team UAE Team Emirates fuhr bei den Deutschen Zeitfahrmeisterschaften in Streufdorf 48:25 Minuten und war knapp zwei Sekunden schneller als Maximilian Walscheid (Lidl-Trek) und Jasha Sütterlin (Jayco AlUla), der ebenfalls zwei Sekunden zurücklag. So knapp waren die Abstände bei den Titelkämpfen lange nicht mehr. Bei den Frauen holte sich Franziska Koch (FDJ United-Suez) erstmals das Meistertrikot im Zeitfahren.
Morgens um 10 zeigte das Thermometer bereits 31 Grad. 41 knüppelharte Kilometer lagen vor den Männern der Elite und U23. Der einsame Kampf gegen die Uhr wurde nicht nur zum Kampf gegen die Konkurrenz, sondern zu einer Hitzeschlacht. Am Nachmittag bei den Frauen kletterten die Temperaturen auf 36 Grad.
Für Nils Politt war es der insgesamt dritte Zeitfahr-DM nach 2023 und 2024. Und so knapp war es noch nie: Die drei Medaillengewinner waren innerhalb von zwei Sekunden im Ziel. An der ersten Zwischenzeit nach 13 km lag Tim Torn Teutenberg 0,7 Sekunden vor Politt, an der zweiten – bei Rennkilometer 28 – fuhr Maximilian Walscheid sieben Sekunden schneller als der spätere Meister. Dann drehte Politt auf den letzten Kilometern noch ein wenig auf und konnte sich den Titel zurückholen.
„Es war extrem knapp zwischen Jasha, Max und mir. Mir war klar, dass sich das Zeitfahren hinten raus entscheiden würden und dort habe ich noch einmal alles rausgehauen, was ich hatte“, sagte Politt nach dem Rennen. Dabei hatte er noch Glück: Rund anderthalb Kilometer vor dem Ziel fiel ihm die Kette herunter, konnte das Problem aber schnell beheben. Dennoch kostete es ihn etwas Zeit. „Aber zwei Sekunden Vorsprung, sind zwei Sekunden Vorsprung. Ich freue mich riesig, jetzt wieder das Meistertrikot zu tragen.“ Aber auch Walscheid blieb nicht fehlerfrei. Am letzten Anstieg gab er noch einmal alles. „Oben war ich dann so am Limit, dass ich kurz ins Gras abgekommen bin, weil ich einen Schlenker gemacht habe.“ Und Sütterlin sagte: „Am Ende war es ein ehrliches Zeitfahren.“
Vorjahressieger Maximilian Schachmann (Soudal-Quick Step), der 2016 auf derselben Strecke den U23-Meistertitel im Kampf gegen die Uhr gewonnen hatte, belegte 13 Sekunden zurück den vierten Rang.
Zuvor fuhr bereits die U23, ebenfalls über 41 Kilometer, um Meisterehren. Dabei verteidigte Bruno Keßler (Tudor Cycling) seinen Titel mit einer Fahrzeit von 49:21 Minuten – eine Zeit mit der er in der Elite-Klasse auch in die Top-Ten gefahren wäre. Mit 17 Sekunden Rückstand wurde Paul Fietzke (Red Bull-Bora-hansgrohe Rookies) Zweiter; den dritten Platz belegte Ian Kings (Visma-Lease a Bike Development-Team) mit 38 Sekunden Rückstand.
„Das war das härteste Zeitfahren, dass ich je gefahren bin. Dieser Titel bedeutet mehr als letztes Jahr, auf dem Kurs zu gewinnen, das war stark,“ freute sich Keßler.
Kochs Premiere
Franziska Koch hatte schon vor dem Titelrennen ihre Ambitionen deutlich gemacht und regelmäßig für das DM-Zeitfahren trainiert. Auch nach Streufdorf war sie frühzeitig angereist, um sich mit der 26,2 Kilometer langen Strecke vertraut zu machen – und das offenbar mit Erfolg. Diese legte sie in 33:58 Minuten zurück und setzte sich mit 25 Sekunden Vorsprung vor Vorjahressiegerin Antonia Niedermaier (Canyon-Sram) durch. Lisa Klein (REMBE | rad-net women) holte sich mit 1:11 Minuten Rückstand die Bronzemedaille.
„Ich habe mich darauf fokussiert, mein Bestes zu geben. Das Ergebnis kann man nicht beeinflussen. Zwischenzeiten sind mir egal, ich schaue nur auf meine Leistung. Ich freue mich sehr, nachdem ich schon zweimal die Straßen-DM gewinnen konnte, dass ich nun auch Gold im Zeitfahren holen konnte“, sagte Koch nach der Siegerehrung. „Nun blicke ich positiv in Richtung Straßenrennen am morgigen Samstag.“ Niedermaier zeigte sich mit Platz zwei zufrieden: „Ich wusste, dass es nicht die beste Strecke für mich ist, sondern eher ein Drückerkurs. Ich habe alles gegeben, und deshalb kann ich mich über Silber freuen.“ Das tat auch Klein über Rang drei: „Die Bronzemedaille hinter zwei solchen Kanonen ist absolut in Ordnung. Die eine hat dieses Jahr Paris-Roubaix gewonnen, die andere war gerade Zweite beim Giro d’Italia. Da ist es keine Schande, von ihnen geschlagen zu werden.“
Ähnlich deutlich gewann Czapla bei den Frauen U23. Sie benötigte 35:26 Minuten und verwies mit 40 Sekunden Vorsprung Magdalena Leis (UAE Development-Team), die im vergangenen Jahr noch U19-Meisterin im Zeitfahren war, auf den zweiten Platz. Messane Bräutigam (AG Insurance-Soudal Devo-Team) wies als Dritte 51 Sekunden Rückstand auf. „Die Bedingungen waren brutal. Und anfangs habe ich mich auch nicht so gut gefühlt. Aber es hat ja gereicht,“ freute sich Czapla über die erfolgreiche Titelverteidigung.
Die Strecke in Streufdorf war exakt die selbe wie vor zehn Jahren, als Tony Martin und Trixi Worrack Meister wurden. Auch die heißen Temperaturen waren ähnlich. Die Gemeinde Streufdorf hatte wieder alles getan, dass diese Meisterschaft ein voller Erfolg wurde. Sportliche Höchstleistungen, gepaart mit starker Organisation, nach Streufdorf kommen die Radsportler immer wieder gern.