Starkes Finale bei Deutscher Straßenmeisterschaft in Bad Liebenstein
Felix Engelhardt (Jayco AlUla) ist neuer Deutscher Meister. Bei drückender Hitze sprintete der Ulmer nach 191,1 Kilometern zum Titel und verwies Lennart Jasch (Tudor) und Nico Denz (Bora) auf die Plätze, während ein stark kämpfender Nils Politt als Vierter leer ausging. Titelverteidiger Georg Zimmermann belegte Platz fünf.
Eigentlich war Felix Engelhardt schon abgehängt. Doch der U23-Europameister von 2022 kämpfte sich noch einmal heran, schloss zwei Kilometer vor dem Ziel zur Spitze auf und feierte nach Platz zwei im letzten Jahr den Meistertitel.
„Das ist ein Wahnsinnsgefühl, davon träumt jeder,“ freute sich der neue Deutsche Meister. „Vor allem wenn man zur Tour fährt, ist das etwas ganz Besonderes, dort im Meistertrikot anzutreten. Ich hatte in der letzten Runde ziemlich zu kämpfen, war abgehängt und dachte schon das wird nichts mehr. Dann bin ich in der Abfahrt volles Risiko gegangen und fand bei Nils Politt das beste Hinterrad, was man kriegen kann.“
Politt und Denz waren eigentlich in diesem Finale die großen Favoriten, aber Engelhardt hat sie überrascht. Es war ein Finale auf Augenhöhe. Die stärksten Fahrer setzten sich bei diesem Ausscheidungsfahren in Bad Liebenstein gegen die Konkurrenz durch.
52 Sekunden hinter dem Spitzen-Quintett fuhr Tim Torn Teutenberg (Lidl-Trek) vor Maximilian Schachmann (Soudal Quick Step) und seinem Teamkollegen Lennard Kämna über den Zielstrich. Auf Platz neun überraschte Jermaine Zemke vom Rembe-rad-net Team als erster Fahrer, der keiner Sportgruppe angehört.
Der Rennfilm
Die Favoriten hielten sich lange zurück: Frühe Ausreißer ließ man auf den ersten Runden fahren, schonte sich für das Finale, das 40 km vor dem Ziel begann.
Nach drei Runden zeigten sich zunächst zwei ehemalige Meister an der Spitze: Marco Brenner (Tudor Pro Cycling), Sieger 2024, und Maximilian Schachmann (Soudal Quick Step), Titelträger 2019 und 2021 und im letzten Jahr Deutscher Zeitfahrmeister, setzten sich vom Feld ab. Nur wenig später schlossen weitere Favoriten auf: Zeitfahr-Champion Nils Politt, der 2022 auch Straßenmeister war, Jonas Rutsch, Tim Torn Teutenberg, sowie Miguel Heidemann und Jonas Rapp.
Während Rutsch nach einem Defekt aus der Ausreißergruppe zurückfiel, machten Schachmann und Politt weiter Tempo. Im Feld setzen sich die Fahrer des deutschen Rennstalls Red Bull-Bora-hansgrohe an die Spitze und jagten den Ausreißern hinterher, so dass der Vorsprung der Ausreißer nie über eineinhalb Minuten anwuchs.
60 Kilometer vor dem Ziel lagen nur noch Politt, Schachmann , Brenner und Teutenberg an der Spitze, der Rest fiel zurück und von hinten machte die Verfolger, angeführt von Red Bull-Bora-hansgrohe, Tempo.
40 Kilometer vor dem Ziel fuhr eine hochkarätige Verfolgergruppe zum Führungsquartett auf: Titelverteidiger Georg Zimmermann, Nico Denz (Bora), Lennard Kämna (Lidl-Trek), Jermaine Zemke (Rembe rad-net), Lennart Jasch (Tudor) und Felix Engelhardt (Jayco AlUla).
Und dann startete Lennard Kämna eine Soloflucht. Der Fischerhuder hatte eingangs der letzten Runde 35 Sekunden Vorsprung, wurde aber 22 Kilometer vor dem Ziel von den Verfolgern, die Titelverteidiger Zimmermann anführte, geschluckt.
Im letzten Anstieg mussten Schachmann und Teutenberg Federn lassen, Zemke, einziger Sportgruppen-Fahrer, war schon zurückgefallen, während sich vorn Denz, Zimmermann, Politt, Jasch und Engelhardt behaupteten.
Das Ausscheidungsfahren ging weiter: Politt und Denz an der Spitze, Zimmermann schaffte noch den Anschluss, während Engelhardt zurückfiel und auch Jasch Probleme bekam, aber dranblieb.
Auf den letzten Kilometern belauerte sich dann das Spitzenquartett Denz, Jasch, Politt und Zimmermann zu sehr, so dass Engelhardt wieder aufschließen konnte und im Sprint seine Gegner überraschte.