Titelverteidigerin Franziska Koch kommt mit großen Ambitionen

Franziska Koch (FDJ United-SUZ) hat in diesem Frühjahr Geschichte geschrieben: Als erste Deutsche gewann sie den Klassiker Paris-Roubaix, zockte im Sprintfinale die beiden Visma-Fahrerinnen Marianne Vos und Pauline Ferrand-Prévot ab. Danach hat sie in der Vuelta überzeugt, fuhr bei sieben Etappen viermal unter die Top-Ten, belegte zwei Podestplätze und wurde Zweite in der Punktwertung.

In der anschließenden Wettkampfpause gönnte sie sich sogar ein paar Tage für eine Bike-Packing-Tour. Das tat gut, machte den Kopf wieder frei für neue Ziele. Als nächstes sportliches Highlight wartet nun die Deutsche Meisterschaft in Thüringen auf die 25-Jährige. Dort will sie gleich zweimal aufs Podest, im Straßenrennen peilt sie eine erfolgreiche Titelverteidigung an, im Einzelzeitfahren will sie ebenfalls um eine Medaille fahren.

Franziska Koch, Sie hatten ein starkes Frühjahr. Wie ist Ihre derzeitige Form? Franziska Koch: Gut, ich hatte nach der Vuelta eine kleine Pause, bin aber jetzt wieder voll im Training und bereite mich auf die nächsten Wettkämpfe vor.

Wie ist es im Meistertrikot zu starten? Sie tragen es ja schon die zweite Saison in Folge. Lust auf ein Drittes? Koch: Auf jeden Fall! Ich habe mich echt dran gewöhnt dieses Trikot zu tragen und möchte es am liebsten nicht mehr abgeben.

Fährt man die Rennen anders, wenn man ein solches Trikot trägt? Koch: Man fällt mehr auf. Wenn man zum Beispiel attackiert, weiß jeder gleich, da fährt Franzi. Man steht also mehr im Fokus, hat mehr Aufmerksamkeit.

Haben Sie sich schon die DM-Strecke virtuell angeguckt? Wie sind die Chancen einer erfolgreichen Titelverteidigung? Koch: Ja das habe ich. Es wird in jedem Fall ein hartes Rennen, gefühlt geht es den ganzen Tag bergauf. Lieber sind mir eigentlich kurze, steile Berge, aber letztlich sind die Bedingungen für alle gleich. Es wird in jedem Fall ein ehrliches Rennen.

Was unterscheidet ein Meisterschaftsrennen von anderen? Es ist immer ein spezielles Rennen, weil nicht von jeder Mannschaft gleich viele Fahrerinnen am Start stehen. Canyon hat mehrere deutsche Fahrerinnen im Team, die bei der Meisterschaft antreten. Ich bin in meinem französischen Team die einzige Deutsche, habe also keine Unterstützung. Wenn Canyon attackiert, bleibt mir fast nichts anders übrig, als mitzugehen. Aber wirklich kontrollieren kann man das Rennen nicht. Man muss sich auf einige Fahrerinnen konzentrieren. So wie mir geht es aber auch Liane (Lippert) und Ricarda (Bauernfeind).

Wer sind die Hauptkonkurrentinnen? Antonia Niedermaier fuhr gerade einen starken Giro, Liane Lippert hat zu sich gefunden, Ricarda Bauernfeind ist eine gute Bergfahrerin. Sie sind alle auf einem hohen Level. Und das verspricht ein interessantes Rennen.

Sie haben bereits im Frühjahr gesagt, dass Sie auch im Zeitfahren gern aufs Treppchen möchten. Wie laufen da die Vorbereitungen? Ziemlich gut, ich habe vor der Meisterschaft fleißig auf dem Zeitfahrrad trainiert und freue mich sehr auf diesen Wettkampf. Von meinem Team FDJ werde ich super unterstützt. Ich bin Anfang des Jahres in Kalifornien im Windkanal gefahren, habe Bahneinheiten absolviert, begleitet von meinem Trainer Flavian Soenen, der übrigens auch der Trainer von Grace Brown war (Anmerkung: Brown gewann 2024 in Paris Olympisches Gold und WM-Gold im Zeitfahren und war zweimal WM-Zweite).